Ice13 :POWEREDBY_black-wickelschen:

Katharina


Sie liebte es zu schreiben. Gedichte, Texte,  Romane, Tagebucheinträge, alles. Jeden Dienstag in der Woche nahm sie sich Zeit für sich, sie gehörten ihren Geschichten. Katharine war mit ihren 23 Jahren eine lebenslustige, erfolgreiche Studentin die das Schreiben als Ausgleich zu ihren turbulenten Alltag sah. Sie freute sich jedes Mal einfach nur an ihren Schreibtisch zu sitzen und ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Ein immer wiederkehrendes Ritual in ihrem glücklichem Leben, eine Konstante die sich so schon gemacht hat als sie klein war. Schon damals hatte sie „ihren“ Dienstag, an dem sich nach dem duschen ihren Pferdeschwanz eng zusammenband, sich an den Schreibtisch setzte und ihre Gedanken zu Papier brachte. Seit dem sie sich erinnern kann hatte sie nie Probleme damit ein Thema zu finden über das sie schreiben kann, doch dieses Mal war es anders.


Katharina wusste nicht worüber sie schreiben sei schreiben sollte. Ihre Gedanken schwofen jedes Mal ab. Sie dachte an Ihren langjährigen Freund Jan, für den sie an ihren Dienstagen schon so viele Gedichte geschrieben hatte. Sie dachte an ihre Eltern, ihr Studium, sie dachte an sich…


Am nächsten morgen fand sie sich in der Mensa ihrer Universität wieder, zusammen mit ihren Freundinnen zwischen 2 Kursen und wartete auf ihren Freund. Jan entdeckte sich schon von weitem, sie ihn allerdings erst, als er sich neben sie setzte. Die Begrüßung viel ungewohnt unherzlich aus, ein Küsschen halb auf dem Mund, halb auf die Wange.


„Hallo Katherina.“


Er fiel auf, dass er irgendwie anders klang, irgendwie…


„Können wir mal alleine miteinander reden ?“


Die untrügerischen Zeichen fielen ihr sofort auf und als sie ihn in eine ruhigere Ecke der Mensa folgte wusste sie was jetzt kommt. Nach einem Schwall von Erklärungen wartete sie auf den Satz der die Beziehung beenden sollte.


„Weißt du, es ist nicht mehr das selbe irgendwie…“


Der Rest von seinen Erklärungen flog an ihr vorbei, bis es aus ihr rausplatzte und sie ihn unterbrach:


„Du willst wirklich Schluss machen ?“


Fragte sie fordernd.

„Vor zwei Tagen war noch alles in Ordnung und jetzt soll alles vorbei sein ?“

Sie wollte seine Antwort nicht mehr abwarten, nahm ihre Tasche und verließ wortlos das Universitätsgelände. Als sie wieder zu Hause ankam waren ihre Eltern noch auf der Arbeit, sie nutzte die Gelegenheit um sich in ihren Zimmer einzuschließen und den Tag mit weinen zu verbringen.


Am Donnerstag war die Trauer der Wut gewichen, die zwei Kurse in der Universität waren für sie nicht von belang also ging sie nicht hin. Zumindest versuchte sie sich dieses einzureden, sie wusste das es eigentlich Jan war den sie nicht sehen wollte. Aus Solidarität gingen ihre Freundinnen ebenfalls nicht in ihre Kurse, man traf sich im Cafè um den Mittag damit verbringen über ihren Verflossenen zu lästern und sich aufbauen zu lassen. Am Nachmittag trat sie den Heimweg an, als plötzlich das Mobiltelefon in ihrer Tasche zu klingeln begann. Es meldete sich eine Frau, die sich als Schwester des Universitätskrankenhauses ausgab.


„Frau Katharina Eistein ?“


Ihre Stimme klang kalt und versuchte mitfühlend zu wirken, Katharina fiel auf, dass die Schwester dieses Wohl nicht zum ersten mal machte. Sie bejahte die Frage des Anrufers.


„Ich muss Ihnen leider mitteilen…“


Das Blut in Katharinas Adern gefror und sie hatte das Gefühl als würde ihr Herz für einen Moment aufhören zu schlafen.


„…das ihre Eltern einen schweren Autounfall hatten, es geht ihnen den Umständen entsprechend gut und es besteht keine Lebensgefahr. Trotzdem haben sie mich gebeten sie anzurufen.“


Nachdem die Schwester ihr die Situation und weitere Details erklärt hatte fuhr sie direkt ins Krankenhaus und ihre Eltern zu besuchen. Während der Autofahrt lief ihr eine Träne über die Wange, die sie mit einer schnellen Handbewegung wegzuwischen versuchte. Die Fahrt zog sich endlos hin und sie begann nachzudenken. Sie fragte sich was passiert war. Warum hatte sie einfach kein Glück mehr, sie hatte doch immer Glück gehabt. Ihr Vater hat früher immer zu ihr gesagt, dass die Sterne sie geküsst hätten. Es war nicht nur die schmerzliche Trennung von Jan oder der Unfall ihrer Eltern, sie war rational genug zu wissen das so was passiert, auch schon mal nah aneinander. Nein, es waren die 1000 anderen kleinen Dinge. Ihr fielen Gläser herunter, sie schnitt sich an Papier und stieß mit ihren Gelenken gegen alle möglichen Dinge. Ihre neuerliche Tollpatschigkeit überraschte sie selbst, sie konnte sich nicht daran erinnern überhaupt irgendwas mal fallen gelassen zu haben. Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als sie die Einfahrt des Krankenhauses passierte und ein leichter Regen einsetze.


Beim betreten fiel ihr auf, dass der Geruch von Desinfektionsmittel in ihre Nase drang, auch hier ging ihr durch den Kopf, dass sie soweit sie sich erinnern kann noch nie in einem Krankenhaus war. Dies wurde ihr schlagartig bewusst als sie versuchte sich zu ihren Eltern durchzufragen. Endlich angekommen fiel sie ihrer Mutter in die Arme. Es stellte sich heraus, dass ihr Vater gerade bei einer weiteren Untersuchung war und beide bis auf einige Knochenbrüche nichts geschehen war. Die Gespräche tröpfelten vor sich hin und für diese paar Stunden war sie einfach nur glücklich, dass ihnen nicht mehr passiert war. Ihre Eltern mussten sie fast nötigen wieder nach Hause zu fahren.


Zu Hause angekommen merkte sie erst, dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte und das Hungergefühl sich lautstark bemerkbar machte. Als sie ein Nudelgericht in der Mikrowelle zubereiten ließ atmete sie ganz bewusst ein paar mal tief durch, spürte aber auch dieses niederschmetternde Gefühl der leere. Als sie versuchte den Teller aus der Mikrowelle herauszunehmen, schreckte sie vor Schmerz hoch und ließ ihn fallen. Das italienische Nudelgericht verteilte sich zusammen mit den Porzellanscherben über den Boden der Küche. Katharina spürte den stechenden Schmerz in ihrer Hand. Ein paar Sekunden verstrichen als sie schnell amtend in die Hocke ging um die ersten Scherben aufzusammeln. In der knienden  Position überkam es sie, explosionsartig wurde sie von ihren Gefühlen überwältigt. Tränen und ein lautes schluchzen drangen aus ihr heraus. Nach einer Weile stimmte sie sich selbst hoch und ging ohne etwas gegessen zu haben ins Bett.


Das Wochenende verbrachte sie bei ihren Eltern. Viele Verwandte kamen und gingen und ihre Eltern bemühten sich immer die selben Fragen freundlich zu beantworten. So mitfühlend sie auch für ihre Eltern war, so sehr hatte sie mit ihrer eigenen Depression zu kämpfen. Ihre Gedanken drehten sich um sich selbst und sie fragte sich was anders war. Seit dem Dienstag Abend, an den sie nichts zu Papier gebracht hatte, lief alles schief. Zu allem Überfluss ist ihr Auto auch noch kaputt gegangen, so das sie gezwungen war die Strecke zum Krankenhaus mit dem Fahrrad zurückzulegen. Sie überlegte ob das alles daran liegen könnte, dass sie letzte Woche nichts geschrieben hatte. Sie verwarf den Gedanken und verabschiedete sich von ihren Eltern, es war Zeit zu gehen.


Als sie ihr Haus erreicht waren ihre Beine blutig, in einem Moment der Unachtsamkeit hatte sie ihr Fahrrad quer gestellt und sich quer über die Straße gelegt. Die Schrammen waren nur oberflächlich und sie konnte sie leicht verbinden, aber als sie das tat, ärgerte Katharina sich über sich selbst.


Nach einer unruhigen Nacht ging sie am Dienstag morgen wieder in die Universität. Da sie die ganze Zeit an die Ursache dieser Pechsträhne dachte, fiel ihr gar nicht auf das sie heute die Ergebnisse ihrer wichtigen BWL Klausur bekam, die entscheidend auf ihre Endnote Einfluss haben würde. Das Ergebnis war niederschmetternd, sie hatte nicht bestanden. Wenigstens bleib ihr erspart, dass sie Jan gesehen hat, dachte sie, als sie das Universitätsgelände verließ. Ihre Gedanken drehten sich nur noch um die vergangene Woche und die Tatsache, dass sie letzte Woche nichts geschrieben hatte. Sie nahm sich fest vor, direkt nach dem Besuch bei ihren Eltern sich wie jeden Dienstag vor ihrem Schreibtisch zu setzen und etwas zu Papier zu bringen.


„Wie immer.“


Sagte sie laut zu sich selbst.


Das schreiben ging immer ganz vol selbst, sie hatte nie darüber nachgedacht. Bis jetzt. Langsam zog sie sich nach der Dusche an und spannte ihre Haare zu einem Zopf zusammen. Sie versuchte die Gedanken in ihrem Kopf die Gedanken zu ordnen. Doch sie kamen alle auf einmal, so viele Ideen, so viele Richtungen in die sie gezogen wurde. Zitternd ging sie zu ihrem Schreibtisch und nahm den Stift in ihre Hand.


„Wie immer, ganz normal, ganz ruhig.“


Flüsterte sich leise vor sich her. Doch sie war nicht ruhig und es war auch nicht normal oder wie immer. Das eintönige Kratzen des Kugelschreibers kam ihr unvorstellbar laut vor, in diesem leeren Haus. Der Block neben ihrem weißen Papier war vollgekritzelt mit Strichen, hinauf und wieder hinab.


Ihre Gedanken drehten sich wieder um die gesamte letzte Woche,


Das monotone Kratzen der spitze des Stifts beruhigte sie.


um ihren Ex Freund,


Sie merkte gar nicht wie sie immer weiter den Stift hoch und runter über das Blatt gleiten ließ.


um ihre Eltern,


Sie schrieb weiter das Blatt mit Strichen voll.


um ihr Auto,


Diese Gleichmäßigkeit, das auf und ab.


um ihr Studium.

Nach einer Weile schlug sie fast beruhigt die Hände hinter den Kopf. Kurz vor dem einschlafen riss Katharina die Augen auf. Der Kugelschreiber lag neben ihrem Block auf den weißen Blatt Papier, doch das monotone Kratzen hatte nicht aufgehört. Es kam vom Elternschlafzimmer. Hatten ihre Eltern etwa vergessen ein Fenster zu schließend und wieso war ihr das nicht vorher aufgefallen, schoss es ihr durch den Kopf. Langsamen Schrittes ging sie die Treppe hoch. Sie spürte wie ihr Herz anfing schneller zu schlagen. Die Türklinge ließ sich leicht nach unten drücken. Das Fenster war zwar geöffnet, doch es war der Rahmen der Schranktür von dem wohl die Geräusche kamen. Als sie im Zimmer stand hörte das Kratzen auf, so dass sie nicht hundertprozentig sagen konnte, dass es die Schranktür war. Katharina merkte wie das Blut ihn ihrem Körper zu rasen begann und ihre Hände feucht wurde. Ihre linke Hand bewegte sich langsam Richtung Schranktür.


„Mach schon, dass ist lächerlich, mach schon !“


Mit einem Ruck riss sie die Tür auf. Zum Vorschein kamen sämtliche Bekleidungsstücke ihrer Eltern, fein säuberlich aufgereiht. Argwöhnisch betrachtete sie den Schrank, als sie von einem lauten klirren unterbrochen wurde.


„Scheiße, scheiße.“


Erschrocken merkte sie, dass ihr Kopf zu glühen begann. Sie hörte sich selbst laut und stoßend atmen, als sie das Schlafzimmer verließ und von der oberen hälfte der Treppe sah wie die Haustür offen stand. Hatte sie diese etwa nur angelehnt ? Eine Träne aus Wut und Angst lief ihre Wange herunter. Sie versuchte kein Geräusch zu verursachen als sie weiter die Treppe runter ging um diese zu schließen. Ein fast gehauchtes


„Hallo ?“


Drang über ihre Lippen und sie versuchte sich selbst zu beruhigen, als sie die Haustür schloß. Langsam ging sie in ihr Zimmer, am Schreibtisch angekommen fiel ihr Blick sofort auf das weiße Blatt Papier, auf der etwas geschrieben stand. Sie wischte sich die letzten Tränen aus den Augen und versuchte es zu erkennen, indem sie sich über den Schreibtisch beugte. In fein säuberlicher Schrift waren die Worte „hinter dir“ zu lesen. Katharina stockte der Atem. Im selben Moment hörte sie ihre Schranktür öffnen. Reflexartig stieß sie einen schrei aus und drehte sich um, und…


schreckte von ihrem Schreibtisch hoch. Es war Dienstagabend vor einer Woche. Sie hörte ihre Eltern in der Küche miteinander reden. Erleichtert und in der Gewissheit das alles nur ein Traum war atmete sich tief durch.


„Es war alles nur ein Traum, es war…“


Ihre Gedanken stockten als ihr Blick auf den Schreibblock fiel. Ihr Herz pochte auf einmal wieder in ihrer Brust und sie spürte wie es ihr die Luft in ihrem Hals abschnürte. Auf einen fast unberührten Blatt Papier standen die Worte


„hinter dir…“


Vielleicht war alles nur ein Traum, vielleicht.


By Ice13

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